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Space Chaser
Dead Sun Rising, This Charming Man, 2016
Ui, man merkt nicht nur am Cover, sondern auch gleich beim Opener „Metro Massacre“, dass die Berliner Rabauken eine ganze Schippe Düsternis nachgelegt haben, aber nicht ohne die Eingängigkeit und Hymnenhaftigkeit zu verlieren. Gereift nennt man das wohl. Der Gitarrensound ist richtig sehnig und heavy und Sänger Siggi übertrifft sich selbst in puncto Kraft und Variabilität. Sehr geil. Mir scheint, dass die Band sich bemüht hat, das überdreht comic-hafte auszumerzen, zumindest kommt das bei mir so an: dafür sind die Gitarrenarrangements ausgefeilter, aggressiver und besser als zuvor. Gesanglich pendelt Siggi immer wieder zwischen Dickinson und jungem Kiske, aber deutlich angriffslustiger als beide. In Sachen No Bullshit Thrash macht denen so schnell auf jeden Fall keiner was vor, die sind mit allen Wassern gewaschen und wie die das hinkriegen, das durchaus anspruchsvolle Material allein von der Geschwindigkeit her, geschweige denn in dieser gebotenen Tightness auch besoffen noch hinzukriegen, bleibt mir ein Rätsel. Wer also nach der ersten Platte gedacht hat, Space Chaser machen die Tankard Truppe, Hauptsache ballern und saufen, wird vielleicht sogar leicht enttäuscht sein, aber wer sich für richtig gut gemachten und abwechslungsreichen Thrash Metal interessiert, kommt an dieser Band unmöglich noch vorbei. Da ist kein Gramm Fett dran, der Sound ist phänomenal transparent, dabei crisp und drückend, und die Instrumentalisten haben sich noch einmal gesteigert: das Songwriting erinnert mich immer wieder an leichtfüssigere Slayer, Overkill, frühe Deathrow, Holy Moses, 80er Metallica oder natürlich Anthrax. Dieses Tempo! „Anthem“ trägt den Titel nicht umsonst, den Maiden-Gedächtnis-Refrain muss man erst mal bringen. Können! „Judgement Day“ ist ein Riffgewitter auf derart hohem Niveau, dass mir die Kinnlade runterfällt, inklusive wundervollem Cliff Burton-Bass-Outro. „Xenomorph“ beweist direkt im Anschluss, das die auch Midtempo-Nummern beherrschen, hier melodischer als bei meinem Lieblingssong „Predator“, aber nicht minder überzeugend: riesengroßer Refrain im High End Format und das Endriff ist ein so endcooler Schädelspalter, da freu ich mich jetzt schon auf die Konzerte. Wie viel Metal Heart Herzblut in dieser Scheibe steckt, ist wirklich unglaublich. „Dead Sun Rising“ ist mit Leichtigkeit die metalligste Metalplatte, die ich dieses Jahr gehört habe: und ich höre gerne und viel Metal! True to the bone, trotzdem modern und ohne irgendwie angestaubt oder rückwärtsgewandt rüberzukommen. Metalheads unite und Mosh up the Unmoshed! Höchstwertung von meiner Seite, denn eine derarte Steigerung in Songwriting, Sound und Performance hätte ich denen nach dem ohnehin großartigen Debüt nie und nimmer zugetraut. So lasse ich mich aber gerne eines Besseren belehren!

Anspieltipps: Mosh up the Unmoshed, Judgement Day, Xenomorph, Anthem, The Harbinger, Metro Massacre, Black Hole Circle Pit, Flight of the Atlas, Mother of the Hatch, Salvation Army, Dead Sun Rising, Atomcrusher.

 

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